Wissensdatenbank rum um Airbrush.

Airbrush

Was bedeutet Airbrush? Was ist Airbrush?

Wie funktioniert die Airbrush Pistole? Was ist Airbrush? Heißt es lackieren oder brushen? Was ist ein Airbrush Bild und was ist Custompainting?

porsche spyder airbrush

Airbrush Illustration eines Porsche Spyder. Bildquelle: ABC-painting

Airbrush ist ein englischer Begriff und heißt zu Deutsch »Luftpinsel«. Es ist ein multifunktionales Wort und beschreibt zugleich drei Begriffe. Zu einem haben wir die Technik, die allgemeinsprachlich als Airbrush bezeichnet wird. Das Werk, das der Künstler erstellt, trägt die Bezeichnung Airbrush ebenso, wie die Pistole* auch Feinspritzapparat oder Luftpinsel der für dieses künstlerische Tätigkeitsfeld zum Einsatz kommt. Allein die Tatsache das in einem Wort gleich drei Begriffe stecken, die wiederum ein Hobby beschreiben zeigt, wie mannigfaltig das Thema ist.

Die Airbrush Technik – die Kunst mit Luft zu malen

Spricht man von der Airbrush Technik, ist hierbei das Auftragen der Farbe mittels Airbrush Pistole gemeint. Im Grunde gibt es eine Haupttechnik, die jeder Künstler sich zu Nutze macht. Der Feinspritzapparat ist eine kleinere Version der Spritzpistole. In der Airbrushpistole treffen Farbe und Luft durch ein ausgeklügeltes System aufeinander. Dabei entsteht ein physikalischer Prozess, der die Farbe zerstäubt. Der Arbeitsdruck beträgt in der Regel 1,5 – 2bar. Für Detailarbeiten mit stark verdünnten Farben oder Sprengeleffekte ist ein Arbeitsdruck von 1bar nicht unüblich. Ein Betreiben des Feinspritzapparates unter 1 bar ist sinnfrei, da keine ordnungsgemäße Zerstäubung der Farbe stattfindet. Dies schlägt sich als »pixeliges« Spritzbild auf den Untergrund nieder.
Das Gleiche zählt für einen Arbeitsdruck über 2 bar von Nöten ist, ist fraglich und sollte im Ermessen des Anwenders liegen.

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Double-Action Airbrush-Pistole im klassischen Design. Bildquelle: Createx

 

Luftdruck und Düsengröße sowie verwendete Farbe sind die drei Hauptfaktoren, in welchem Grad die Farbe zerstäubt wird. Der so entstehende Farbnebel legt sich als eine hauchdünne Schicht auf den Untergrund nieder. Bei sachgemäßer Handhabung ist die Farbe fast trocken beim Auftreffen auf den Untergrund. »Trockensprühen« ist daher eine Bezeichnung in der Airbrush-Technik.
Die Farbeigenschaft, opaque oder transparent, sowie der Verdünnungsgrad der Farbe entscheidet über die Deckkraft der einzelnen Farbschicht. Transparente Farbe erzielt erst nach unzähligen Schichten Ihre wahre Deckkraft. So sind feinste Nuancen in den Farbtönen, dem Kontrast und der Helligkeit erst möglich. Es ist daher nicht ungewöhnlich das hier von Lasur oder lasierender Technik, die rede ist, da transparente Farben einer Lasur gleichkommen.
Opaque Farben, sprich deckende Farben besitzen indes ein anderes Verhalten. Sie sind wie der Name, sagt deckend. Der Auftrag der Farbe durch die Airbrushpistole bleibt gleich, es entsteht jedoch ein anderes Bild, da deckende Farben nicht die lasierenden Möglichkeiten bieten wie transparente Farben. Ein weiterer Faktor in der Airbrush Technik ist das Zusammenspiel mit der Radier und Kratztechnik. Diese Techniken wirken unterstützend beim Anlegen von Bilder. Mittels verschiedener Arten von Radierern (Hart, weich, Granulat, Elektro Radierer) können die hauchdünn angelegten Schichten problemlos weggenommen, Spitzlichter eingefügt und Strukturen angelegt werden.

Airbrush, die vielfälltige Technik

Neben dieser oben beschriebenen Grundtechnik entwickelt jeder Künstler mit der Zeit eine eigene Technik und gibt seinen Bildern die eigene Handschrift. Mischen der Farben zu neuen Farbtönen in einem Becher. Wiederum andere mischen Ihre Farbtöne auf dem Untergrund mit transparenten Farben, indem Sie die Lasureigenschaft nutzen. Wiederum andere bevorzugen kräftige Farben in deckender Ausführung. Andere nehmen Materialien wie Frischhaltefolie, destilliertes Wasser, Schleiffließ, Gemüsenetze und andere Dinge um Strukturen zu erzeugen. Die einen arbeiten mit der Freihandtechnik und andere mit lose Schablonen oder beides in Verbindung.
Ein Werk entsteht im seltensten Falle nur mit der Airbrush-Pistole. Zu den Hauptutensilien zählen neben dem Feinspritzapparat noch Pinsel, Aquarellstifte, Ölminestifte, Bleistifte, Radierer, Fineliner und Marker. Abgerundet wird dies zusätzlich gerne mit der Pinstriping Technik.




 

Die Airbrush Pistole. Die Spritzpistole in Kleinformat

 

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Airbrush-Pistole mit nur 56g. Die Evolution ALPlus von Harder&Steenbeck.

Mit der oder die Airbrush bezeichnen Anwender ihren Feinspritzapparat. Er trägt viele Bezeichnungen wie Luftpinsel, Spritzgriffel oder Gun. Am gebräuchlichsten ist Airbrush-Pistole oder Airbrushpistole. Die Airbrush ist eine Niederdruck-Spritzpistole in kleinem Format. Rechnen wir den Becher weg, ist der Luftpinsel meist nur ein wenig größer als ein Kugelschreiber. Die Form ist ergonomisch, sodass er angenehm zwischen Daumen und Zeigefinger liegt. Das Gewicht schwangt meist zwischen 90 und 110 Gramm. Jedoch gibt es Ausnahmen wie die Evolution ALPlus von Harder&Steenbeck. Diese besteht als erster Luftpinsel aus Aluminium und bringt 56 Gramm auf die Waage. Hauptsächlich wird die Airbushpistole mittels Stecknippel und Mini-Schnellkupplung an einen Airbrush-Kompressor angeschlossen. Vereinzelt besitzt der Luftpinsel einen einfachen Luftschlauchanschluss, an dem der Schlauch direkt verbunden ist.

 

Lackieren oder airbrushen? Was ist der Unterschied

Beim lackieren wird mittels Nass in Nass verfahren Farbe aufgetragen.

Lackieren ist eine Nass in Nass verfahren. Bildquelle: Fotolia – Urheber: Kadmy

Für den Laien ist der Unterschied oftmals nicht nachvollziehbar, da am Ende Farbe auf einem Untergrund ist. Der Unterschied zwischen Lackieren und Airbrushen liegt im Auftragen der Farbe. Wie oben beschrieben ist bei sachgemäßer Anwendung die Airbrushfarbe fast trocken, wenn sie auf den Untergrund trifft. Um eine deckende Eigenschaft zu erzielen, sind daher unzählige Durchgänge nötig. Der Vorteil. Es bindet sich kein Staub oder nur wenig auf dem Untergrund.
Beim Lackieren hingegen kommt die Nass in Nass Technik zum Zuge. Hierbei ist der Farbausstoß höher und es wird eine nasse Farbschicht auf den Untergrund gelegt. Meist gefolgt von mehreren Durchgängen, sodass die einzelnen Schichten ineinander verfließen. Der Nachteil ist der, das so Rotznasen und »Läufer« entstehen können. Zudem bettelt die Nass in Nass Technik förmlich den Staub im Raum an sich auf dem Untergrund zu binden, der die Lackierung ruinieren kann. Daher ist für einen Lackierer eine Lackierkabine, in der absolute Reinheit herrscht unabdingbar.

Ein weiterer Faktor im Unterschied zwischen Lackieren und brushen ist die Trocknungszeit der Farbe. Während beim Lackieren mit einem langen Zeitraum (bis zu mehrere Tage ohne Trockenkabine) zu rechnen ist, ist ein Airbrush schon nach kurzer Zeit »trocken«.
Hierbei sollte ebenfalls bei diversen Zwischenschritten und je nach Farbsorte gegebenenfalls mit einem Tag Trockenzeit gerechnet werden. Dies ist um Custompainting nicht zu vernachlässigen. Während bei Fineart und Illustrationsarbeiten auf Leinwand oder Airbrushkarton wie der Schoellershammer 4G dick der Untergrund die Farbe mit aufsaugt, ist dies im Custompainting nicht der Fall. Metall und Kunststoff saugen die Farben nicht auf. Hier ist vor allem beim Anlegen des Basislacks mit einer längeren Trockenzeit zu rechnen.

 

Funktionsprinzip einer Airbrush

Ausgenommen einiger Single Action Airbrushpistolen, basieren die meisten auf einem Innenmischverfahren von Luft und Farbe. Komprimierte Luft, vornehmlich aus einem Airbrushkompressor wird dem Luftpinsel zugeführt. Die komprimierte Luft mit 1,5-2bar zieht ihren Weg durch einen Luftkanal in dem Apparat, tritt zwischen Düse und Luftkappe wieder aus. Der vorbei ziehende Luftstrom erzeugt an der Düse einen Unterdruck. Durch Zurückziehen der Nadel (außer bei der Single Action Bedienfunktion) öffnet sich die Düse. Der Unterdruck erzeugt einen Sog, der die Farbe ansaugt, direkt mit dem Luftstrom zerstäubt und als hauchdünne Farbschicht auf den Untergrund legt. Im Gegensatz zum klassischen Pinsel, ergibt dies einzelne feine Schichten mit denen einzigartige Farbverläufe möglich sind.

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Funktionsprinzip einer Airbrush-Pistole Bildquelle: Harald Rettich-Wizzart

Die Düsengrößen in einer Airbrush können je nach Hersteller und Modell variieren. Der Markt bietet mittlerweile Düsengrößen von 0,15mm bis zu 1,2mm an. Die Gängigsten sind 0,2mm bis 0,4mm. Die Düsengröße entscheidet unter anderem darüber, für was der Feinspritzapparat konzipiert ist. Für Detailarbeiten und Fineart oder eher für Flächen und kleine Lackierarbeiten.
In der Regel kann jede Art von Farbe in einer Airbrush-Pistole zum Einsatz kommen. Sie darf lediglich nicht über zu große Pigmente verfügen und ihre Konsistenz sollte die von Milch ähneln also »milchartig« sein. Zu grobe Pigmente können die Düse und Nadel beschädigen, da sie wie Sandpapier wirken. Aus diesem Grund sind Dispersionsfarben und handelsübliche Lacke aus dem Baumarkt weniger zu empfehlen. Farben Hersteller bieten eine breite Palette von Airbrushfarben an, die speziell auf dieses Medium abgestimmt sind. Es ist nicht unüblich das neben Acrylfarben, Aquarellfarben und Tusche auch Nitrolacke und Emaillefarben ihren Einsatz finden. Hierfür sollte die Airbrush über Dichtungen aus PTFE verfügen. Mehr zu dem Thema findest du hier: Dichtungen aus PTFE – Teflon Dichtungen.

Bechersysteme und Bedienfunktionen einer Airbrushpistole

Neben den unterschiedlichen Düsengrößen sind für die Wahl und Einsatz einer Airbrush noch das Bechersystem und die Bedienfunktion entscheidend. Um diesen Beitrag nicht zu sprengen, sind die einzelnen Begriffe in der Airbrush-Wiki Datei verfügbar. An dieser Stelle begnügen wir uns mit einem Anriss jedes Begriffs. Wer darüber mehr erfahren möchte muss den jeweiligen Link folgen.

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Airbrush-Pistole mit Seitenbecher Anschluss. Bildquelle: Createx

Fließbechersystem: Der Becher sitzt auf der Airbrush, der konisch geformte Becher unterstützt die Fließeigenschaft der Farbe.

Saugbechersystem: Der Becher hängt unterhalb oder seitlich unter der Airbrushpistole und ist mittels Steckrohr an der Airbrush angeschlossen. Die Farbe wird durch den Unterdruck auf dem Becher nach oben in die Airbrush gesogen.

Seitenbechersystem: Der Becher sitzt wahlweise links der rechts. Hier gibt es sowohl die Fließbecher oder die Saugbecher Option.

 

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Klassische Single-Action Airbrush von Badger. Bildquelle: Createx

Single-Action Bediensystem: Es gibt nur eine Funktion. Durch herunter drücken wird das Luftventil geöffnet, der Luftstrom erzeugt den oben beschriebenen Sog und die Farbe wird zerstäubt.

Double-Action Bediensystem: Der Bedienhebel hat zwei Funktionen. Herunter drücken öffnet das Luftventil. Durch nach hinten ziehen des Bedienhebels wird die Nadel zurückgezogen. Die Farbe kann durch die Düse fließen. Je weiter der Bedienhebel nach hinten gezogen wird umso mehr Farbe gelangt durch die Düse.

Gekoppelte Double-Action Bediensystem: Der Bedienhebel wird lediglich nach hinten gezogen. Farbe und Luft werden je nach Intensität mittels ausgeklügeltem System gesteuert.

 

Airbrush, das Werk eines Künstlers

Sprechen Bewunderer dieser Technik von einem Airbrush, ist damit das Werk eines Künstlers gemeint. Hier spielt es keine Rolle, ob es eine Illustration auf einem Airbrushkarton oder Illustrationsboard ist. Ein Bild auf einer Leinwand, ein Custompainting auf einem Fahrzeug, Motorrad oder einem Alltagsgegenstand. Ein Airbrush als dieses ist das Resultat eines Künstlers. Es galt für lange das ein Airbrush keine Kunst ist. Mittlerweile ist Airbrushdesign als Studiumsfach zu belegen.
Mit der Airbrushtechnik und den darauf resultierenden Werken bekam der Fotorealismus eine besondere Bedeutung. Mit keinem anderen Medium können Bilder so fotorealistisch erstellt werden als mit der Airbrushtechnik.

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Airbrush im Modellbau ist keine Seltenheit. Bildquelle: ABC-painting

 

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